Aufmerksamkeit ist heute ein immer selteneres Gut. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Medienwelt, gibt es nur noch wenig Platz für persönliche Treffen und aktives Zuhören. Viel mehr machen wir möglichst viele Dinge gleichzeitig und rennen von einem Projekt zum nächsten. Obwohl die Aufmerksamkeit immer wie knapper wird, ist sie ein hoch geschätztes Gut und wird unter dem Begriff „Attention Economy“ zusammengefasst. Im Rahmen der Aufmerksamkeitsökonomie wird Aufmerksamkeit sogar als eines der wertvollsten und teuersten Güter in der heutigen, durch Unterhaltung getriebenen Welt beschrieben. Auch Führungskräfte sehen sich dieser Herausforderung gegenüber: nebst der grossen Verantwortung und des vollen Terminkalenders, müssen sie sich genügend um ihre Mitarbeiter kümmern und ihnen ihr volle Aufmerksamkeit schenken. Eine Eigenschaft die auch im Coaching von grosser Bedeutung ist und die geübt werden kann.

“The most basic and powerful way to connect to another person is to listen. Just listen. Perhaps the most important thing we ever give each other is our attention….A loving silence often has far more power to heal and to connect than the most well-intentioned words.” (R.N.Remen)

Die Selbstwahrnehmung schärfen

Nur wer sich kontinuierlich in seiner Achtsamkeit übt, kann seine Selbstwahrnehmung schärfen und seine Mitmenschen aufmerksamer wahrnehmen. Obwohl dieses Vorgehen, aufgrund der Lenkung der Aufmerksamkeit nach innen, primär selbstreferenziell ist, hat dieser Prozess auch einen grossen Einfluss darauf, wie wir mit der Umwelt in Interaktion treten. Nur wenn wir ganz achtsam sind und ein Teil unserer Aufmerksamkeit nach innen kehren, können wir unsere Mitmenschen in ihrer Gesamtheit wahrnehmen. Würden wir die ganze Aufmerksamkeit nach Aussen lenken, würden wir uns schnell in äusseren Reizen und Wertungen verlieren. Durch die volle Konzentration auf den gegenwärtigen Moment, ist man mit allen Sinnen präsent und nimmt dadurch mehr als nur die verbalen Aussagen wahr. Das Wahrnehmungsfeld wird gewissermassen ausgedehnt und feine, subtilere Botschaften wie zum Beispiel die aktuelle Verfassung des Gegenübers können bewusster wahrgenommen werden. Mit dem Erreichen einer erhöhten Selbst-Achtsamkeit, kann man insbesondere von folgenden Fähigkeiten profitieren:

Aktives Zuhören: Durch Präsenz und aktivem Zuhören wird seinem Gesprächspartner Wertschätzung entgegengebracht. Jemandem wirklich zuzuhören ohne ihn zu unterbrechen oder seine Aussagen gleich zu bewerten, hat einen tief greifenden Effekt auf sein Gegenüber. Man fühlt sich dadurch wohl und respektiert. Man wird feststellen, dass sich durch blosses Zuhören schon viele Themen auflösen können. Viele Menschen leiden heue darunter, dass sie niemanden mehr haben der ihnen WIRKLICH zuhört.

Offene Kommunikation: Um eine offenere Kommunikation zu fördern, kann es helfen folgende Fragen zu stellen: Was würdest Du an meiner Stelle tun? Wie würdest Du das Problem angehen? Dies zeigt Wertschätzung und signalisiert dem Gegenüber, dass man an seine Fähigkeiten glaubt und sich gerne seine Meinung anhört. Zudem erhöht eine regelmässige Kommunikation (in klar definierten Zeitabständen) das Vertrauen und die Motivation aller Beteiligten, da man sie in wichtige Entscheide miteinbezieht. Man gibt ihnen die Möglichkeit zur Mitteilung der eigenen Meinung beziehungsweise zum Klären von Fragen. So betonte auch Sam Walton, der Gründer von Walmart: “The more they know, the more they’ll understand. The more they understand, the more they’ll care. Once they care, there’s no stopping them. If you don’t trust your associates to know what’s going on, they’ll know you really don’t consider them partners.”  

Erkennen und Förderung von persönlichen Stärken: Durch häufige Interaktion und dem aktiven Zuhören, können individuelle Stärken besser erkannt und gefördert werden. Man entwickelt eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit und ermutigt sein Gegenüber, sein individuelles Potential zu entdecken. Dabei kann es hilfreich sein, durch gezielte Fragen den normalen, kontinuierlichen Gedankenprozess des Gesprächspartners zu unterbrechen und neue, kreative Reflektionsprozesse auszulösen. Jeder Mensch besitzt seine ganz persönlichen Stärken, auf die er, wenn er sich diesen bewusst wird, immer zurückgreifen kann. Diesem Vorgehen liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Lösung einer Person immer in ihr vorhanden ist und sie selbst weiss, was für sie am besten ist.

“Man kann einen Menschen nichts lehren. Man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.” (Galileo Galilei)

Die Gehmeditation

Die folgende Übung, die Gehmeditation, stellt eine Möglichkeit dar, wie man die eigene Achtsamkeit und somit auch seine Aufmerksamkeit fördern kann:

Richte Deine Aufmerksamkeit beim Gehen nach innen und versuche Dich auf Deinen Atem und Deine Schritte zu konzentrieren. Mache jeden Schritt bewusst und fühle die unterschiedlichen Empfindungen in Deinen Füssen, wenn Du Dich fortbewegst. Fühle den natürlichen Rhythmus Deines Atems und achte darauf, wie viele Schritte Du beim Einatmen und Ausatmen machst. Wenn Gedanken aufkommen, lasse sie wie Wolken vorbeiziehen. Versuche sie nicht zu verdrängen oder zu ignorieren, sondern schiebe sie einfach wie eine Wolke am Himmel weiter und kehre mit Deiner Aufmerksamkeit immer wieder zu Deinen Schritten und Deiner Atmung zurück. Du kannst Dich dabei auch fragen: Wie fühle ich mich heute? Gehe ich gelassen oder gestresst? Ist mein Atem ruhig und tief oder atme ich schnell und flach? Versuche dabei nur zu beobachten und nicht über Dein Befinden zu werten.