Warum wir uns alle anders verhalten und doch das Gleiche wollen (Teil1)

Hast du dich auch schon gefragt, weshalb man gewisse destruktive Verhaltensweisen hat? Oder warum man immer wieder die gleichen Fehler macht? Oder warum man sich Fressattacken nicht abgewöhnen kann, oder weshalb man allen zeigen muss, wie gut man ist? Oder warum man immer wieder auf einen Partner mit ähnlichem Verhalten trifft, oder man krampfhaft nach Liebe sucht? Oder weshalb man in gewissen Situationen immer wieder die Fassung verliert, obwohl man sich vorgenommen hat diesmal anders zu reagieren?

Warum wir uns so verhalten, wie wir uns verhalten

Da stellt sich die Frage, warum wir uns eigentlich so verhalten, wie wir uns eben verhalten. Alle Menschen haben einen Grund für ihr Verhalten, nur ist dieser nicht immer ersichtlich (sowohl für die Person als auch für Aussenstehende). Oft kann dieses Verhalten sogar irrational und impulsiv erscheinen. Unser Unterbewusstsein hat einen grossen Einfluss auf unser Verhalten, und je mehr wir uns im Autopiloten befinden desto weniger fallen uns die Muster und Strategien von unserem Unterbewusstsein auf. Im Autopilotmodus sind wir, wenn wir nicht achtsam sind und uns selbst nicht deutlich wahrnehmen. In diesem Zustand handeln wir automatisch ohne zu bemerken, ob unser Verhalten gut ist und ohne zu wissen, warum wir etwas tun. Wir tun dann eben einfach was wir tun ohne es in Frage zu stellen. Oft nimmt man sich vor nächstes Mal anders zu handeln und ohne es zu bemerken fällt man wieder in sein altes Muster. Im Nachhinein stellt man dann konsterniert fest: „Mist, ich hätte doch anders handeln wollen“. Da war man im Autopilotmodus und hatte sozusagen keine andere Wahl. Neue Handlungsstrategien auszuprobieren, kennt der Autopilotmodus nicht.

Es gibt unzählige Gründe, weshalb Menschen sich auf eine bestimmte Weise verhalten, aber alle entspringen bestimmten Bedürfnissen, die gedeckt werden wollen. Tony Robbins, einer der weltweit bekanntesten Strategiecoaches, nennt 4 grundlegende menschliche Bedürfnisse, die wir in jedem Falle zu befriedigen versuchen und unser Verhalten weitgehend bestimmen. Es sind 4 Bedürfnisse, die wir alle teilen und unabhängig davon sind, wo wir leben, wie alt wir sind, oder welche Religion wir haben. Für ein tieferes Verständnis seiner selbst ist es wichtig zu lernen, solche Bedürfnisse bei sich wahrzunehmen und zu verstehen. Nur so kann man seine Stärken sinnvoll einsetzen, mit seinen Schwächen angemessen umgehen und nachvollziehen, warum man so handelt, wie man handelt. Dies zu erkennen erfordert einen ehrlichen und achtsamen Umgang mit sich selbst.

Sicherheit

Nach Maslow ist Sicherheit eines der grundlegendsten menschlichen Bedürfnisse überhaupt. Es bildet das Fundament für alles andere im Leben. Nur wenn wir uns sicher fühlen, und uns unser selbst mächtig sind, können wir den Autopiloten verlassen und neue Handlungsweisen ausprobieren. Das Sicherheitsempfinden bildet die Voraussetzung um uns als Herr des eigenen Lebens und uns geborgen zu fühlen. Nur wenn wir uns sicher fühlen, können wir auch funktionieren und unsere täglichen Aufgaben bewältigen. Vielleicht erinnerst du dich an eine Situation, in welcher du dich nicht mehr sicher gefühlt hast zum Beispiel in einem schwierigen Gespräch bei der Arbeit oder in deiner Beziehung, oder als du plötzlich in einer gefährlichen Situation warst? Sobald unser Gefühl der Sicherheit entfällt, verlieren wir auch unser Kontrollempfinden und können nicht mehr klar denken. Man wird dann impulsiv und fühlt sich als Spielball. Dies ist ein sehr unangenehmes Gefühl, welches niemand gerne erlebt und wir alle zu vermeiden versuchen. Unser Verstand meldet sich in solchen Momenten ab und unser Autopilot sucht anhand von alt bekannten Strategien die Situation zu bewältigen.

Der einzige Unterschied zwischen uns Menschen ist nur, dass wir bei der Suche nach Sicherheit alle eine andere Strategie anwenden, um diese zu erlangen. Oft eignen wir uns unbewusst gewisse Gewohnheiten oder Routinen an, um dieses Gefühl zu bekommen. Andere wiederum schrauben ihre Erwartungen runter und sagen sich „Ich bekomme sowieso nie, was ich möchte“. So reden sie sich ein auch mit wenig zufrieden zu sein und alles andere sowieso nie erreichen zu können. Eine weitere Strategie ist alles zu kontrollieren. Solange man das Gefühl hat alles unter Kontrolle zu haben, fühlt man sich auch sicher. So hat jeder seine eigene Strategie entwickelt, wie er zu dem Gefühl von Sicherheit kommt. Nur wenige sind sich jedoch dessen bewusst und entbehren sich so viel Freude und Leidenschaft. Die Fragen, die man sich also stellen muss sind:

„Wie befriedige ich mein Bedürfnis nach Sicherheit, und gebe ich dadurch etwas mir Wichtiges auf?“

„Gibt es etwas worauf ich verzichte um dieses Gefühl zu bekommen, und macht mich dieser Verzicht glücklich oder traurig?“

Abwechslung

Dieses Bedürfnis scheint im ersten Augenblick als Wiederspruch zum Bedürfnis nach Sicherheit zu stehen. Tatsächlich ist es aber so, dass, wir uns, wenn wir einmal die gefühlte Sicherheit erlangt haben, schnell nach Abwechslung sehnen. Die Suche nach Abwechslung ist eng mit der Suche nach Leidenschaft verbunden, die man durch Abwechslung erlangen kann. Durch die Abwechslung fühlen wir uns lebendig und nehmen neue Gefühle wahr. Wir Menschen brauchen auch Überraschungen im Leben (ob wir diese nun selbst herbeiführen oder es andere tun), denn diese Momente sind immer gleichzeitig Chancen für Wachstum. In neuen, unerwartenden Situationen müssen wir unser Handeln überdenken und neu ausrichten, und das gibt uns die Chance uns weiterzuentwickeln.

Genauso wie beim Bedürfnis nach Sicherheit, gehen wir auch beim Erlangen von Abwechslung ganz unterschiedlich vor. Einige verletzen ihre Mitmenschen, um Abwechslung zu erreichen und überwältigen sie mit erwartenden, böswilligen oder unehrlichem Verhalten. Andere wiederum berauschen sich regelmässig mithilfe von Alkohol oder Drogen, um sich lebendig zu fühlen und um ihre täglichen Sorgen für einen Moment in den Hintergrund zu drängen. Dann gibt es jene die ständig neue Pläne verfolgen und nie etwas durchziehen. Eine weitere Strategie kann sein Extremsport zu treiben und sich immer wieder an körperliche Grenzen zu pushen. Die entscheidende Frage wiederum ist:

„Was machst du, um Abwechslung zu haben, und hilft dir dieses Verhalten im Leben oder verletzt du dich selbst?“

Im nächsten Teil dieses Blogs geht es dann um die 2 weiteren grundlegenden Bedürfnisse „Bedeutung“ und „Liebe und Verbindung“.

Quelle: Tony Robbins, 2016

 

27.10.2017|Coaching|