Viele nutzen den Jahresbeginn um persönliche Ziele für das kommende Jahr zu definieren. Statistiken zeigen, dass bereits im Februar die meisten der vorgenommenen Ziele wieder aufgegeben worden sind. Was ist es, dass uns so schnell wieder aufgeben lässt? Die Herausforderung beim Definieren persönlicher Ziele liegt darin nicht nur heiss auf das Ziel, sondern auch auf den Prozess zu sein. Viele finden ein Ziel verlockend aber sind nicht bereit auch die damit verbundene Anstrengung in Kauf zu nehmen. Das Ziel selbst ist also gar nicht so wichtig, vielmehr musst du mit dem Prozess in Liebe fallen und deine eigene Faulheit überwinden. Wir alle haben eine natürliche Tendenz faul zu sein und viele sind somit gut im Vornehmen von Zielen aber haben nicht die Disziplin den Weg bis dahin auszuhalten. Nichtsdestotrotz haben Menschen aber auch die Fähigkeit natürliche Tendenzen zu überwinden und persönlich zu wachsen. Der Gegenpol zur Faulheit ist Disziplin: nur wenn wir diszipliniert sind, können wir Anspruchsvolles erreichen und unsere natürliche Tendenz faul zu sein bewältigen. Die erste Frage, die du dir also stellen musst ist: Bist du bereit die Anstrengung und die Niederlagen auf dem Weg bis zum Ziel in Kauf zu nehmen, oder ist es einfach nur ein Traum für dessen Verwirklichung du in Wahrheit zu faul bist? Allzu oft entscheiden wir uns beim Alten zu bleiben, weil wir nicht bereit sind die geforderte Anstrengung, die mühsamen Diskussionen, das Aufgeben von alten Mustern und Gewohnheiten oder einen Job- oder Partnerwechsel auf uns zu nehmen. Gründe weshalb wir schlussendlich doch zu wenig Disziplin haben unsere Ziele anzugehen, gibt es unzählige. Nach Scott Peck, Psychiater und Autor des millionenfachen verkauften Werks «The Road Less Traveled», gibt es 4 Eigenschaften, die nötig sind, um diszipliniert zu sein und anspruchsvolle Ziele zu erreichen.

1. Eine Belohnung aufschieben

Eine Belohnung aufzuschieben bedeutet, sich so einzustellen, dass man, um bedeutende Ziele zu erreichen, zuerst Anstrengung und Geduld in Kauf nimmt, damit man sich zu einem späteren Zeitpunkt besser und glücklicher fühlt. Ganz im Sinne: zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Diese Eigenschaft eignen wir uns bereits als Kind an und sie hängt stark von der Erziehung unserer Eltern ab. So neigen Kinder mit undisziplinierten Eltern, die zu unverhältnismässigen oder ambivalenten Bestrafungen greifen dazu selbst undiszipliniert zu werden. Auf eine Belohnung zu warten, erscheint ihnen wenig sinnvoll, da sie damit keine guten Erfahrungen gemacht haben und sich somit lieber gleich alles nehmen was zu holen ist. Wenn man sich bei etwas Mühe gibt und dafür bestraft wird oder widersprüchliche Anweisungen erhält, lernt man nicht, dass es erstrebenswert sein kann, seine Belohnungen aufzuschieben. Die Welt ist für solche Menschen oft unberechenbar, so dass Vertrauen in die Zukunft wenig bis gar nicht vorhanden ist. Nur wenn wir als Kind disziplinierte Bezugspersonen als Massstab haben und das Gefühl wichtig und wertvoll zu sein vermittelt bekommen, sehen wir einen Sinn darin, uns Sorg zu geben. Selbstliebe ist die Voraussetzung für Selbstdisziplin. Wenn wir uns wichtig sind, dann ist uns auch unsere Zeit wichtig. Wir haben dann ein aufrichtiges Interesse daran, unsere Zeit möglichst gut einzusetzen.

Der zweite Punkt, welcher das Aufschieben einer Belohnung betrifft ist Geduld. Oftmals wollen wir unsere Ziele sofort erreichen und haben keine Geduld für den Prozess. Oder wir reden uns ein, nachdem wir es für ein zu kurze Zeit versucht haben, dass wir es sowieso nicht schaffen werden und geben auf halbem Weg auf. Wir vergessen, dass anspruchsvolle Ziele Zeit benötigen und, dass es der Weg ist, der uns persönlich wachsen lässt. Wir geben zu schnell auf. Tatsache ist, dass es wenige Dinge gibt, die wir wirklich nicht tun oder erlernen können. Die Frage ist nur, wie viel Zeit du bereit bist zu investieren? Es gibt eine Regel, sich immer wieder bewährt hat und besagt, dass man etwas 10’000 mal ausführen muss, um wirklich ein Experte darin zu sein. Gebe dir also genug Zeit und freunde dich nicht nur mit dem Ziel, sondern auch mit der Geduld und Anstrengung an. Es sind Probleme und Anstrengung, die uns persönlich wachsen lassen nicht die Ziele.

2. Verantwortung akzeptieren

Bevor wir neue Wege einschlagen können, müssen wir auch die Verantwortung dafür anerkennen. Solange wir ein Problem oder eine Herausforderung nicht als unser Anliegen betrachten, und uns voll dafür verantwortlich sehen, können wir auch nichts erreichen. Es gibt Menschen, die alles ausserhalb ihrer Verantwortung sehen, und solche die dazu neigen, zu viel Verantwortung für etwas zu übernehmen. Während bei ersteren immer die Anderen am eigenen Leid Schuld sind, sehen letztere alle Schuld und Fehler bei sich. Oft haben Menschen einen Mix von beiden Eigenschaften und übernehmen in einem Bereich ihres Lebens (zum Beispiel im Beruf) extrem viel Verantwortung und in einem anderen (zum Beispiel in persönlichen Beziehungen) keine und überlassen die Verantwortung anderen. Frage dich also Folgendes: Bist du bereit die volle Verantwortung für deinen Prozess zu übernehmen? Wem gibst du die Schuld, wenn etwas nicht so läuft, wie du dir es vorstellst? Die Schwierigkeit beim Übernehmen von Verantwortung liegt darin festzustellen, wofür wir im Leben tatsächlich verantwortlich sind und wofür nicht. Dabei gilt es auch zu unterscheiden, was man eben selbst beeinflussen kann und was nicht. Dies ist ein grosses Problem, das uns Menschen immer wieder vor Herausforderungen stellt. Die Mühe die wir beim Übernehmen von Verantwortung für unser Tun haben, liegt im Wunsch die Probleme und den Schmerz, die unser Verhalten hervorruft, zu vermeiden. Was man aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass wir alleine für unsere Zeit verantwortlich sind und entscheiden können, wie und für was wir sie einsetzen.

3. Verpflichtung zur Wahrheit

Je klarer wir die Welt sehen, desto besser sind wir ausgerüstet uns auch darin zurechtzufinden. Unsere Sicht auf die Welt ist die Projektion unserer Gedanken, die, wenn sie nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen, viel Enttäuschung und Schmerz bereiten kann. Wir bilden daraus sozusagen eine Landkarte, die unseren Handlungsspielraum definiert. Wenn wir uns als Opfer sehen, bleibt auf der Karte wenig Raum übrig, der bewusstes und verantwortungsvolles Handeln zulässt. Oder wenn wir meinen immer Recht haben zu müssen, haben wir eine schwarz-weiss-Landkarte und verpassen all die bunten Farben des Lebens. Viel wichtiger noch, wir verpassen es zu lernen und uns weiterzuentwickeln, da uns die Meinung anderer nicht ernsthaft interessiert. Da wir also mit unseren Gedanken unsere Betrachtungsweise der Welt und somit unsere Wirklichkeit steuern, ist es so wichtig, seine Gedanken immer wieder zu überprüfen. Folgende Fragen kannst du dir dazu immer wieder stellen: Entsprechen meine Gedanken tatsächlich der Wirklichkeit oder täusche ich mich selbst mit Gedanken, die der Wirklichkeit widersprechen?

4. Balance und Achtsamkeit

Die Herausforderung beim Erreichen ehrgeiziger Ziele ist das Finden der richtigen Balance zwischen einer Belohnung aufschieben und sofortiger Belohnung, zwischen volle Verantwortung und keine Verantwortung übernehmen sowie zwischen völlige Verpflichtung zur Wahrheit und dem Zurückhalten gewisser Informationen. Dies gelingt nur, wenn man ganz präsent ist und seine Achtsamkeit nutzt, um Situationen ständig neu zu bewerten und seine Handlungsoptionen abzuwägen. Gewisse Situationen erfordern ein rasches Handeln oder Umsetzen von Tatsachen während andere Geduld und Aufschub verlangen. Achtsamkeit unterstützt uns dabei, die Wahrnehmung hinsichtlich unserem Denken, Fühlen, Handeln und Wollen zu verbessern und schafft somit eine Grundlage für bessere Entscheide.

Gewohnheiten Schritt für Schritt ändern

Fakt ist, dass wir uns leider sehr schnell schlechte Gewohnheiten aneignen können aber etwas länger benötigen um neue, gute Gewohnheiten anzutrainieren. Die Wissenschaft bestätigt, dass wir im Schnitt 66 Tage brauchen um neue Gewohnheiten zu verinnerlichen. Eine Möglichkeit wie du also deine persönlichen Ziele fürs neue Jahr erreichen kannst ist das Durchhalten deines Ziels für 66 Tage. Danach wird dein Vorsatz zur Gewohnheit und das Ausführen immer einfacher und natürlicher. Du wirst dann feststellen, dass du nicht mehr ständig daran denken musst, sondern die neue Tätigkeit zunehmend automatisiert wird. Am besten definierst du dir auch eine genaue Tageszeit, wann du Zeit für deine Ziele investieren möchtest und notierst sie in deinem Kalender. Nichts ist schlimmer und entmutigender als eine To-do-Liste, also gewöhne dir ab sofort an alles in deiner Agenda als Termin festzuhalten.

Viel Mut, Anstrengung und Spass mit deinen Zielen wünsch ich dir!