Viele von uns verbringen heute ein Leben in Ablenkung. Es ist viel leichter geworden sich ständig ablenken zu lassen anstatt sich zu konzentrieren. Egal ob wir zu Hause, bei der Arbeit, unterwegs oder in den Ferien sind, wir können uns ständig ablenken lassen. Manche schaffen es sogar nicht mehr eine Konversation zu führen ohne ständig auf ihr Handy zu schauen. Im Durchschnitt verbringt man heute täglich 2.1 Stunden in Ablenkung. Dies sind über 2 Stunden die unserer Leistungsfähigkeit schaden, viel Energie kosten und für unser Gehirn Stress bedeuten.

Ablenkung ist ein Produktivitätskiller und führt zu einer Zunahme des Stressempfindens. Dieser Stress wird oft selbst herbeigeführt, da viele mittlerweile gar nicht mehr merken, dass sie sich durch jeden Reiz von aussen ablenken lassen. Wenn man mit seiner Aufmerksamkeit immer zu 100% auf das Geschehen im Aussen fixiert ist, fällt es einem schwierig achtsam zu sein und sich nicht von allem hinziehen zu lassen. Man verliert dann oft die Kontrolle über die eigene Aufmerksamkeit ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. Leider ist dies für viele der Normalzustand geworden.

Lerne «un-busy» zu sein

Man wird heute von einer Vielzahl an Optionen und Reizen nur so zugeschüttet. Es geht so schnell, und man ist nur noch „busy being busy“. Manche fühlen sich sogar schuldig, wenn sie mal nichts tun und ihrem Geist eine Ruhepause gönnen. Solche Einstellungen sind ein grosser Fehler. Viele Menschen können auch die Stille oder das «un-busy» nicht aushalten. In solchen Momenten, wenn unser Geist zu wandern beginnt, oder wir einfach nichts tun, können auch unangenehme Gefühle und Gedanken hochkommen. Da unser Geist die Tendenz hat sich auf Negatives zu fokussieren, kommen oft zuerst die negativen Gedanken, denen wir nun freien Lauf lassen. Man wird jedoch feststellen, dass, wenn man mutig genug ist, seine Gedanken sozusagen auszusitzen, zuzulassen und aus einer achtsamen, neutralen Perspektive zu beobachten, diese auch wieder verschwinden. Gedanken kommen so schnell, wie sie auch wieder gehen. Solange man ihnen wertfrei gegenüber bleibt, fügt man selbst nicht noch weiteres fiktives Drama hinzu und beobachtet sie einfach nur. Ohne «Nahrung» von uns, kann man negative Gedanken wie eine Wolke weiterziehen lassen und zunehmend Platz für Tagträumen, Gedankenschweifen oder gedankenfreie Momente schaffen.

Wie das «being busy» eine Gewohnheit ist, ist es auch das «un-busy». Man muss zuerst lernen, Momente der Stille zu kreieren und auszuhalten. Mit der Zeit wird man merken, wie viel Energie und Kreativität durch Nichtstun entstehen kann. Man lernt diese Momente zu schätzen und erlaubt dem Gehirn eine Zeit zum Aufladen. Studien haben gezeigt, dass sich durch Achtsamkeitsmeditationen das Angstzentrum (die Amygdala) verkleinern lässt. Durch regelmässiges Innehalten und Lenkung der Aufmerksamkeit nach innen, können Ängste oder negative Gefühle vermindert werden. Dieser Effekt kann bereits nach einer kurzen Zeit der Praxis eintreten. Kohtes und Rosmann, 2 Experten auf dem Gebiet der Achtsamkeit, beschreiben dieses Phänomen so: »Auf der Ebene des (Berufs-)Alltags kann sich aus dieser inneren Entwicklung ein Zuwachs an persönlicher Freiheit ergeben, denn wenn Menschen ihre Gedanken und ihre früheren Erfahrungen nicht mehr als absolut, sondern als relativ und veränderbar wahrnehmen, können sie sich leichter auf das beziehen, was in einem Moment «wirklich» ist.» Man entwickelt Fähigkeiten wie Gleichmut und Offenheit, die einem helfen, alte Muster loszulassen und Raum für Neues zu schaffen. All diese Fähigkeiten zeigen uns auf eindrückliche Weise, dass es sich lohnt, ein wenig mutig zu sein und auch negative Gefühle zu ertragen und ihnen Raum zu geben.

Bringe Einfachheit in dein Leben

Wirklich erfolgreiche Menschen kommen also nicht durch ständige Aktivität und durch Fokus auf alles zu ihrem Ziel. Sie wissen, wie wichtig es ist sich auf wenige Dinge zu konzentrieren und das Konzept der Einfachheit zu nutzen. Das Geheimnis für Produktivität liegt nicht im Ausschöpfen all dieser Möglichkeiten, sondern in der Einfachheit. Mit Einfachheit kann man heute beginnen: anstatt sich noch mehr zu kaufen, ist es befreiend zu Hause nur noch ein paar Dinge zu haben. Anstatt 100 Projekte gleichzeitig anzugehen, sollte man sich fragen, welches jetzt gerade das Wichtigste ist und nur dieses angehen. Anstatt 100 oberflächliche Freundschaften zu haben, kann man nur ein paar wenige, tiefe Freundschaften pflegen.

Weniger ist oft mehr, und viele werden erstaunt sein, wie befreiend Einfachheit sein kann. Man entzieht sich dem Zwang immer überall dabei sein, alles zu wissen, alles zu haben und alles tun zu wollen. Durch den Fokus auf nur wenige, wichtige Dinge im Leben können Meisterarbeiten erschaffen, Stress reduziert und Momente des Fliessens (Flow) genutzt werden.

Die 51/49-Regel – Kontrolliere deine Aufmerksamkeit

Um fokussierter und gelassener zu werden, sollte man lernen die eigene Aufmerksamkeit zu schulen. Nur wenn man Herr über den eigenen Fokus wird, kann man diesen auch kontrollieren. Eine meiner Lieblingsregeln, die ich mit meinen Klienten hierzu einübe, ist die 51/49-Achtsamkeitsregel. Dabei versucht man seine Aufmerksamkeit jeweils zu 51% nach innen und zu 49% nach aussen zu lenken. Dies scheint zu Beginn seltsam und schwierig, aber man wird feststellen, dass es einem schnell immer wie leichter fällt. Die Aufmerksamkeit, die wir nach innen richten wird auch als introspektive Aufmerksamkeit bezeichnet und hilft uns, unsere internen Landkarten aus Empfindungen und Gedanken zu beobachten. So kann man sich auf etwas anderes wie das Geschehen im Aussen fokussieren und lernen «bei sich zu bleiben». Die restlichen 49% unserer Aufmerksamkeit steuern wir auf das Aussen. Da wir nicht mit unserer gesamten Aufmerksamkeit in der äusserlichen Welt sind, bekommen wir zwar mit was geschieht aber können uns immer wieder auf die innere Welt fokussieren. Dies hilft uns ruhig und gelassen zu bleiben. Die innere Welt dient uns sozusagen als Anker, als sicheren Hafen der uns unterstützt, präsent, fokussiert und gelassen zu bleiben.

Das Verhältnis der Achtsamkeitsformel ist bewusst so gewählt, dass der introspektiven Aufmerksamkeit etwas mehr Priorität gegeben wird. Niemand von uns hat Mühe «sich zu vergessen» und seine gesamte Aufmerksamkeit nach aussen zu richten. Wir alle aber benötigen ein wenig Übung, um die Aufmerksamkeit in die andere Richtung, nach innen, zu lenken. Die gesellschaftliche Entwicklung hat die Menschen so konditioniert, dass der gesamte Fokus nach aussen geht und das Innenleben übergangen wird. Aus diesem Grund sollte man versuchen, mit seiner Aufmerksamkeit immer ein wenig mehr bei sich als in der äusserlichen Welt zu sein. Dies erleichtert es einem, innerlich ruhig und konzentriert zu bleiben.

Diese Achtsamkeitsformel ist eine effiziente Methode um den eigenen Fokus zu schulen und immer wieder nach innen zu richten. Nur wenn wir genügend achtsam sind, können wir auch unsere Aufmerksamkeit kontrollieren und entscheiden, auf welche Reize wir reagieren möchten und auf welche nicht. Ansonsten verpassen wir diese Wahlmöglichkeit und werden vom Aussen in einen hamsterradähnlichen Rhythmus gezogen, wo wir nur noch reagieren.

Wenn du mehr über diese Achtsamkeitstechnik lernen möchtest, dann melde dich für ein kostenloses Erstgespräch bei mir https://chantalflach-coaching.ch/kontakt/