Wir alle möchten uns gut fühlen. Wir alle möchten glücklich und erfolgreich sein. Bei der Frage „was man sich für ein Leben wünscht“, antworten die meisten mit „Ich wünsche mir ein glückliches und erfülltes Leben“. Viele wünschen sich einen erfolgreichen Beruf, eine harmonische Beziehung, ein grosses Haus und regelmässige Ferien an den schönsten Orten der Welt. Wenn es so einfach wäre all diese Wünsche zu realisieren, würden wir uns alle nur noch so in unserem Glücklich sein und Erfolgreich sein übertreffen. Tatsache ist, dass es nur wenigen gelingt diese Ziele in die Realität umzusetzen.

In Liebe sein mit einem Traum reicht nicht aus

Mit einem Traum in Liebe zu verfallen und ihn als unseren Lebenswunsch zu deklarieren ist einfach. Als ich jünger war, wollte ich Tierarzt werden. Dies war mein grösster Traum und bis ins junge Erwachsenenalter habe ich mir vorgestellt, wie ich viele Tiere heilen und ihnen das Leben retten werde. Ich wollte es unbedingt und fand die Vorstellung so verlockend, dass ich stundenlang davon träumen konnte. Wollte ich es wirklich? Ich glaube nicht. Ich habe mich in das Ziel Tierarzt zu sein verliebt, nicht aber in den Weg bis dahin. Was mich faszinierte war das Resultat aber nicht der Prozess. Genau dieses Phänomen beschreibt Manson in seinem Buch The Subtle Art of Not Giving a Fuck. Oft glauben wir etwas wirklich zu wollen aber merken nicht, dass wir eigentlich nur vom Endresultat begeistert sind aber mit dem Prozess am liebsten gar nichts zu tun haben möchten. Wir sind gefesselt von der Idee des Gewinns aber nicht vom Kämpfen und dem Schweiss auf dem Weg bis dorthin.

Viele Menschen versuchen aus diesem Grunde gar nie erfolgreich zu sein. Da sie nur auf das Resultat fokussiert sind und den Prozess nicht als Teil des Erfolges sehen, starten sie ihren Weg gar nicht erst. Nach ein paar Jahren entpuppt sich das so stark Gewollte als Fantasie der Vergangenheit oder verpasstes Ziel. Wenn man ehrlich ist, wird man sich vielleicht auch eingestehen, dass man es gar nie wirklich wollte. Ich möchte hier nicht Träume und Fantasien klein reden – sie sind wichtig, können uns beflügeln, und mit Kreativität versorgen. Man sollte sie jedoch klar von dem, was wir WIRKLICH erreichen möchten trennen. Sie können uns sonst in die Irre führen und falsche Erwartungen an unser Leben erwecken.

Richtige Erwartungen als Ausgangspunkt für unser Glück

In seinem neuen Buch Homo Deus, befasst sich Harari mit dem menschlichen Streben nach Glück. Er erklärt, dass das Empfinden von Glück oder Unglück aus dem Bündel unserer persönlichen Erwartungen an das Leben resultiert. Wenn wir Erfüllung, Erfolg und harmonische Beziehungen erwarten aber nicht bereit sind, für diese Ziele Herausforderungen und Rückschläge in Kauf zu nehmen, werden wir an unseren unrealistischen Erwartungen scheitern. Noch nie hat jemand, der sich einen durchtrainierten Körper wünscht, sein Ziel erreicht, ohne stundenlang zu schwitzen und täglich diszipliniert zu trainieren. Noch nie hat jemand eine lange, harmonische Beziehung erhalten können ohne durch schwierige, energieraubende Diskussionen zu gehen. Aus diesem Grund ist es so wichtig, seine eigenen Erwartungen immer wieder zu überprüfen und sich zu fragen, was man bereit ist dafür zu tun? Um es auf den Punkt zu bringen und in Manson’s Worten auszudrücken: „What pain do you want to sustain?“ Anders ausgedrückt: wie viel Anstrengung bist du bereit auf dich zu nehmen, um dein Ziel zu erreichen? Man muss sich also ganz gut überlegen, ob man nur das Ziel möchte oder auch den Prozess.

Die anstrengenden Momente zu lieben lernen

Die meisten Menschen können gut mit Positivem umgehen. Wir fühlen uns dann gestärkt und bestätigt in unserem Weg. Nur wenige jedoch, haben auch einen positiven Umgang mit Negativem entwickelt. Nur wenige akzeptieren, dass man durch Herausforderungen, Schweissperlen und Rückschläge stärker als je zu vor wird. Nur wenige sind sich bewusst, dass es nur, weil es schwierige Momente gibt, auch schöne, positive Momente gibt. Nur wenige anerkennen, dass es für das Umsetzen von Wünschen auch Kosten gibt.

Das Leben wirklich zu meistern, heisst gut zu werden im Umgang mit anstrengenden und mühsamen Situationen.

Die Frage, die man sich also wirklich stellen sollte, wenn man das Gefühl hat etwas zu wollen, ist nicht: Was möchtest du am liebsten tun? Vielmehr sollte man sich fragen: wie viel Anstrengung bist du bereit auf dich zu nehmen? Oder: für was bist du bereit zu „leiden“? Nur wenn man sich auch auf den Prozess einstellt und diesen als dazu gehörig sieht, kann man erfolgreich werden. Ohne Rückschläge und Schmerz kein Erfolg, ohne Negatives nichts Positives, ohne Leiden kein Glück. Der Mensch braucht beides und nur durch diese Gegensätze wird der Erfolg erleb- und spürbar. Wie das Yin und Yang gehören sie zusammen und machen uns zu den Menschen, die wir sein möchten.