Wenn es draussen immer dunkler und kälter wird, kommt bei vielen Nervosität und innere Unruhe auf. Es stellt sich eine unaufhaltbare Geschäftigkeit ein um sich vor überwältigen und unangenehmen Gefühlen zu schützen. Viele bemühen sich dann mit aller Kraft vor belastenden Gedanken zu fliehen. In solchen Zeiten übertönen wir unsere immer lauter werdenden inneren Stimmen mit einer vollgestopften Agenda. Je mehr das Licht in der kalten Zeit abnimmt, desto mehr scheint ein panikartiges Busy-Sein unser Tun zu lenken. Dies hat jedoch wenig mit einem erfüllten Leben zu tun.

Wenn wir uns persönlich weiterentwickeln möchten, müssen wir uns auch unseren dunklen Seiten stellen. Wachstum geschieht nie im Bekannten, in der sogenannten Komfortzone. Zu wachsen erfordert Mut und die Bereitschaft seine Schattenseiten anzusehen. Chancen für Wachstum tun sich nur auf, wenn wir bereit sind unsere persönlichen Grenzen zu erweitern und uns getrauen uns ins Unbekannte vorzutasten. Während Freud das Unterbewusstsein, das sich in winterlichen, dunklen Zeiten zunehmend zeigt, eher als Unerwünschtes oder gar Teuflisches beschreibt, sehen heutige Vertreter der Psychoanalyse vielmehr das „Positive“ beziehungsweise das „Wahre“ im Unterbewusstsein. Menschen sind komplexe Wesen und oftmals sind wir uns unseren Fähigkeiten, Chancen und Grenzen weniger als 5 Prozent bewusst. Das gesamte restliche Wissen um unser Wesen bleibt nicht selten zu über 95 Prozent im Unterbewusstsein verborgen und wird von uns kontinuierlich unterdrückt. So verdrängen wir aber nicht nur aufdringliche, unangenehme Gedanken, die uns etwas sagen möchten. Wir lassen so auch Gefühle unter der Oberfläche, die für Intuition, Kreativität und neue Chancen verantwortlich sind.

Nutzen wir also die winterliche Zeit, um uns nach innen zu kehren und uns mit der gesamten Palette unserer Gefühle zu beschäftigen. Sehen wir es nicht als etwas Bedrohliches, sondern als einmalige Chance mehr „uns zu werden“. Jeder Mensch trägt auf natürliche Weise Yin und Yang-Anteile in sich, die beide berücksichtigt werden wollen. Während das Yin die weiblichen, weichen, dunklen und ruhigen Anteile verkörpert, steht das Yang für unsere männlichen, harten, hellen und aktiven Persönlichkeitsanteile. Nur wenn man beiden Anteilen Beachtung schenkt, kann man Eins werden. Nur wer auch weiss, wie man mit seinen Schwächen umgehen und sich rasch von Niederschlägen erholen kann, kann Steuermann des eigenen Lebens werden und aktiv auf sein Glück Einfluss nehmen. Wenn es so einfach wäre negative Gefühle für immer zu verdrängen oder loszulassen, würden wir dies nicht einfach alle tun? Für den Weg zu mehr Selbstbewusstsein, Verbundenheit und dem Gefühl sich ganz zu fühlen gibt es leider keinen Shortcut. Getrauen wir uns also auch das Dunkle als Teil unseres Selbst zu betrachten und ihm in diesen aufwühlenden Zeiten zu gewähren, etwas mehr an die Oberfläche zu treten.

In diesem Sinne wünsche ich Euch mutige und besinnliche Festtage.